18. September 2017

Resignation


... immer noch aktuell ?

Es gibt noch Leute, die sich quälen,
Aus denen sich die Frage ringt:
Wie wird der Deutsche nächstens wählen?
Wie wird das, was die Urne bringt?

Die Guten! Wie sie immer hoffen!
Wie macht sie doch ein jedesmal
Der Ausfall neuerdings betroffen!
Als wär' er anders, wie normal!

Wir wissen doch von Adam Riese,
Daß zwei mal zwei gleich vieren zählt.
Und eine Wahrheit fest wie diese
Ist, daß man immer Schwarze wählt.

Das Faktum läßt sich nicht bestreiten,
Auch wenn es noch so bitter schmeckt.
Doch hat das Übel gute Seiten:
Es ruhet nicht auf Intellekt.

Man muß die Sache recht verstehen;
Sie ist nicht böse, ist nicht gut.
Der Deutsche will zur Urne gehen,
So wie man das Gewohnte tut.

Wer hofft, daß es noch anders würde,
Der täuscht sich hier, wie überall.
Die Schafe suchen ihre Hürde,
Das Rindvieh suchet seinen Stall.


Ludwig Thoma (1867-1921)




©by Wildgooseman

16. September 2017

Gemeinsam in der Welt?


Wer möchte es bezweifeln, dass wir in einer Zeit des geistigen Umbruchs leben? Niemand könnte das infrage stellen. Dazu kommt noch, dass dieser Wandel sich nicht nur auf einen begrenzten Bereich erstreckt, sondern eine globale Frage ist. In dieser ganzen Thematik kommt dabei jedoch zum Tragen, dass Ursprung und Ziel all dieser Fragen in jedem Teil der Erde völlig unterschiedliche Gründe und damit auch Auswirkungen hat.
Die christlich geprägte Welt unserer Hemisphäre macht gerade eine zweite Phase der Aufklärung durch, in der Normen und Verhaltensweisen ständig aufs Neue infrage gestellt werden und jederzeit täglich neu diskutiert werden.
Die islamische Welt dagegen hat im Grunde genommen noch nicht einmal mit der ersten Entwicklungsperiode richtig begonnen!
Hier gilt immer noch mit dogmatischen Verhärtung eine überlieferte Tradition, die keinerlei Widerspruch duldet.
In der westlichen Welt haben ideologische Systeme wie Kommunismus und Faschismus im Wesentlichen abgewirtschaftet, (wenn auch der Letztere scheinbar wieder Oberwasser bekommt); in der östlichen Welt wiederum erfährt der Islamismus als Heilslehre einen neuen Dogmatismus mit Auswirkungen auf die Gesellschaft, die bedrückender nicht sein kann. Wenn die Scharia als politisches Instrument der Herrschaft gilt, wird die Menschlichkeit auf der Strecke bleiben.
Für diese Entwicklung sind mehrere Gründe verantwortlich. Der Hauptgrund aber dürfte sein, dass aufgrund der Globalisierung weltweit und der Vernetzung durch Medien aller Art alles Geschehen überall in Sekundenschnelle bekannt wird. Dazu kommt noch, dass die Auswirkungen all dieser Geschehnisse in jedem Winkel der Welt spürbar werden.
Dies gilt für kriegerische Vorgänge jeder Art, ebenso für Hungersnöte in vielen Ländern der Erde. Der Irak, Bangladesh, Somalia und der Sudan z.B. sind nicht so weit entfernt, wie sie noch vor hundert Jahren schienen. Durch unsere Beschleunigung der Verkehrswege rücken die Völker optisch und auch real immer näher zusammen.
Die Menschheit lebt weder ethnisch noch politisch oder religiös in abgeschotteten Grenzen. Außerdem ist die Zeit, in der jedes Land ökologisch oder ökonomisch autark leben konnte lange vorbei. Die sogenannten »Inseln der Glückseligen«, auf der jeder nach seiner Art leben und wirken konnte, gibt es einfach nicht mehr.


Die Bedrohungen durch die Urgewalten der Natur oder auch der staatlichen Mächte, die ihre Einflusssphäre ständig ausdehnen wollen, hat allem ein Ende bereitet.

Lange Zeit gingen die hegemonialen Ansprüche von Russland und den USA aus. Im Laufe der Zeit sind es nun Indien und China, die ihre weltweiten Ansprüche anmelden; aber auch der Iran als Vorkämpfer des islamischen ideologischen Weltbildes steht bereit, um Machtkämpfe für sich zu entscheiden.
Für die Staatsmänner der Welt ist es vielleicht noch möglich, die Unterschiede zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Armut, eventuell auch zwischen Ökonomie und Ökologie zu analysieren.
Hier jedoch Lösungen zu finden oder auch nur die Unterschiede zwischen den wirtschaftlichen Interessen auszugleichen, das scheint unmöglich zu sein. Dort, wo klare Entscheidungen getroffen werden müssten, treten Kompromisse an deren Stelle, die nicht weiter nach vorn führen, sondern immer nur im Kreis laufen und niemand weiter bringen.
Alle Sachprobleme verstellen dabei nicht nur den Weg in die Zukunft, sie erschweren auch unser Handeln in der Gegenwart. Alles Handeln jedoch hat die Maxime, die Freiheit heißt! Als Freiheit der einzelnen Person war sie eine Errungenschaft des Christentums. Sie räumte jedem Menschen, gleich welcher Rasse und welchem Geschlecht eine unmittelbare Beziehung zu Gott ein.
Diese Freiheit ist nun allerdings nicht ohne feste Bindung möglich. Das gilt für das Verhältnis des Menschen zu Gott wie auch zu den Mitmenschen. (religio heisst ja »binden«) Freiheit ist ein Gut, das man nicht für sich allein haben kann, es ist ein Universalrecht, das für alle Menschen auf dieser Erde gilt! Sie ist das Recht der »Andersdenkenden«, die ihren eigenen Lebensentwurf formulieren und auch dafür eintreten dürfen.
Als Prämisse aber gilt dabei: Freiheit ist ohne Toleranz nicht möglich, weil die Achtung der Freiheitssphäre jedes Einzelnen erst das Zusammenleben möglich macht!
Sie schließt dabei aus, dass religiöse Überzeugungen durch Hetze und Drohungen geltend gemacht werden. Das gilt für den einzelnen Menschen und es gilt demgemäß für Völker.
Und genau hier liegt die Schwierigkeit des Verständnisses zwischen dem politisch motivierten Islam und dem Christentum, das für uns die Grundlage des europäischen Wertesystems ist. Es ist dabei eine Illusion, dass man davon ausgehen kann, dass eine ideologische Koexistenz beide unterschiedliche Systeme auf Dauer im Gleichgewicht halten kann. Auch ein militärisches Patt wird dies nicht schaffen.
Martin Luther sprach von der
»Freiheit des Christenmenschen«. 
An dieser Auffassung scheiden sich die Geister; an ihr kommt niemand vorbei, auch der Islam nicht!
Hannah Arendt, die politische Philosophin (
1906-1975)  sagte einst: »der Grund aller Politik ist Freiheit«Er macht erst das Leben lebenswert - aber das gilt auch für den Islam!


 ©by Wildgooseman

9. September 2017

Jahreszeiten

Was meinst Du, welches ist wohl die schönste Zeit im Ablauf des Jahres ?

Ist es der Frühling? Die Sonne schickt erste wärmende Strahlen in die schlafende Natur. Das frische Grün, die vielen bunten Farben der Blüten erzählen uns vom Wiedererwachen des Lebens, kündigen uns etwas Neues an. Wir Menschen spüren neue Kräfte in uns, die Lethargie der Erstarrung fällt einfach ab.

Vielleicht der Sommer? Mit seinen heißen Tagen, die für viele Menschen oft auch unerträglich sein können, mit den Regenperioden, die unsagbar wichtig sind für das Gedeihen der Pflanzen, in denen wir uns aber immer wieder nach der Sonne sehnen. Die wunderschönen milden Abende. Abende, an denen wir vielleicht noch spät gemütlich im Freien zusammensitzen, wenn wir die Möglichkeit haben.

Oder der Herbst? Die Zeit der schönen, süßen oder herzhaften Früchte, die Zeit der fallenden Blätter, der Blätter in allen Farben der Natur.Herbst, das ist die Zeit der Reife, der Erfüllung. Hier legt sich langsam die Natur zur Ruhe, um das Gleichgewicht von Werden und Sein herzustellen.

Bleibt noch der Winter? Er schließt den Kreislauf, beendet das Alte und bereitet das Neue vor, zaubert mit Schneeflocken und Eiskristallen.Alles ruht von den Aufregungen und Anstrengungen der vorherigen Zeitabschnitte.


Schön ist jede Jahreszeit für sich.
Aber erst gemeinsam mit den anderen ergeben sie einen Sinn!
Schön ist also jede Zeit, in der ich intensiv leben kann, in der ich die Zeit auch direkt empfinde und nicht nur vorbeirauschen lasse. Die Zeit, in der ich frei atme, mit allen Sinnen zuhöre und mit wachen Augen sehe.
Schön ist das ganze Jahr in seiner Vielfalt.
Nimm nur einen Bruchteil davon heraus, löse ihn aus dem Jahreskreis und du wirst spüren, dass dir etwas fehlen wird.

Welches ist die schönste Jahreszeit? Jeder wird darauf eine andere Antwort finden, schwärmen oder abwinken.
Ich jedenfalls möchte auch das Schmuddelwetter nicht missen mit der Vorfreude auf die folgenden schönen Zeiten. Ich brauche jede Jahreszeit, um Mensch zu sein.
Geburt und Leben, Tod und neu Entstehen; all das gehört zusammen und nichts von ihnen ist allein daseinsfähig!
Gott sei Dank!


 ©by Wildgooseman

7. September 2017

Parteien und ihre Vertreter


»Man findet häufige Proben in der Literatur, wo der Hass das Genie
ersetzt und wo geringe Talente bedeutend erscheinen, indem sie als
Organ einer Partei auftreten!«
Diese denkwürdigen Worte schrieb Goethe vor etwa 200 Jahren an seinen jungen Freund und Gehilfen, Johann Peter Eckermann. Konnte der große Dichterfürst schon so weit in die Zukunft sehen?
Man muss es fast annehmen. Es tummeln sich heute so unendlich viele Geister, die sich auch gern »groß« nennen, die jedoch nur durch Protektion einer Partei Aufmerksamkeit bekommen.
Wobei Goethe gewiss nicht die Parteien als heutige politische Organisationen gemeint hat, sondern eben Zusammenschlüsse gleichdenkender Menschen. Und dennoch trifft es genau den berühmten Nagel auf den Kopf, wenn man heute diese Worte liest! Da gibt es eine Reihe von Personen in den politischen Parteien, die genau auf diese Schiene passen. Namen sind dabei Schall und Rauch, jedermann mit ein wenig Wissen und Bildung wird im Handumdrehen sofort einige davon nennen können, ohne sich dabei übermäßig anstrengen zu müssen.
Wie kommt es nun dazu, dass gerade diese Menschen so weit in den Vordergrund rücken, die eigentlich nur am Rande der Organisationen existieren? Ganz einfach: Weil die Führungskräfte einer Partei nie die Zeit haben, die ein Spitzenredner oder Schreiber braucht, um die Statements in solch einem Umfang selbst zu erstellen. Er müsste dann einen 48-Stunden-Tag haben.
Du wirst mir zugeben, dass es wirklich illusorisch ist, selbst alles zu produzieren, was da so im Verlauf z.B. eines Wahlkampfes an Schlagwörtern und populären Reden täglich an die Öffentlichkeit gelangt.
Der Ghostwriter eines Politikers muss sich völlig in den Geist seines Auftraggebers hineinversetzen können. Er darf sich nicht verleiten lassen, eigene Gedanken in seine Ausarbeitung einfließen zu lassen, die dem Sinn des Ganzen widersprechen würden.
Dennoch wird es immer wieder geschehen, dass diese Nebenpersonen der Politik an vorderster Stelle auftreten. Manches Mal still und zurückgezogen, ohne besonders aufzufallen; eben als hilfreiche Mitgestalter der politischen Führung ihrer Richtung.
Manchmal aber auch werden diese Randfiguren vom vollen Licht der Öffentlichkeit bestrahlt, dies geschieht dann, wenn der Hauptakteur es versäumt, rechtzeitig die Bremse zu ziehen und die Hintergrundperson auf den Platz zu verbannen, den sie eigentlich einnehmen sollte.
So geschieht es dann des Öfteren, dass eine Person von der Bildfläche verschwindet, die vorher noch im Blickpunkt stand. Dies wird dann von der Führungsspitze mit irgendwelchen lapidaren Erklärungen abgetan, jeder weiss genau, warum eine Person wieder in der Versenkung verschwindet, aber niemand spricht darüber weil die Parteiräson jedem das Schweigen auferlegt.
Die Partei für alle, die nicht wissen, was sie wählen sollen

Was unser Altmeister Goethe jedoch mit seinem Aphorismus meinte, ist etwas anderes. Es sind die Geister, die sich anmaßen, des »Kaisers neue Kleider« sofort zu erkennen, sie fühlen sich in ihrer Stellung vom Fußvolk der Partei so abgehoben, dass sie nicht mehr fühlen, worauf es ankommt.
Wenn aber der Wähler einer bestimmten Partei den Sinn des Ganzen nicht mehr erkennen kann, wird die gesamte Arbeit des - so Goethe - »Talents«, als das erkannt, was es im Grunde ist: »Vorwahlgerede« oder volkstümlich gesagt: Nur »Gelaber«! Es hat dann keine weitere Bedeutung für die Zeit der bevorstehenden Legislaturperiode, für welche das angesprochene Wählervolk ja informiert und aufgeklärt werden soll!
„wo geringe Talente „bedeutend erscheinen“, indem sie als
Organ einer Partei auftreten ...“
Sind diese Nebenpersonen einer Partei nun wirklich unbedeutend? Ich denke nicht, dass dies den Kern der Dinge trifft. Sie sind schon wichtig, weil es ohne sie nicht geht! Nur sollten sie sich klar darüber sein, dass sie allein auch nicht das Parteiprogramm ausmachen und auch nicht darstellen. Das Ganze, die gesamte Einheit einer Partei und ihres Programms ist für die Wahl wichtig. Jeder Einzelne, der sich darüber erhebt, trägt dazu bei, dass sich Querelen immer wieder einschleichen können, wie es ja auch in unserer Parteienlandschaft immer wieder geschieht.
Der Wähler möchte klare Worte, ob nun über einen Ghostwriter oder direkt von seinem Kandidaten. Diese Klarheit der Argumente aber fehlt oftmals im Wahlkampf.

©2017 by Wildgooseman

6. September 2017

Der schreibende Mitmensch.


Der Mensch ist schon ein seltsames Wesen. Er scheint immer auf der Suche nach Ruhe zu sein und in dieser Suche fällt er in eine Rastlosigkeit, die sehr oft in einer Unzufriedenheit mündet.
Die unzähligen Vorher-und Nachher-Illustrationen kennen wir alle aus entsprechender Werbung. Sie gaukeln uns einen Effekt vor, der dann niemals real werden kann, sie sind ein reines Produkt der Fantasie, mit der uns mitgeteilt werden soll, was alles geschehen könnte, wenn wir nur das entsprechende Produkt erwerben.
Oft kann das auch sehr spannend sein und oft auch inspirierend, auch ich ertappe mich manchmal dabei, einige Einfälle herauszukramen und sie dann in die Tat umzusetzen. Ich denke, daran ist auch gar nichts Merkwürdiges. Haben wir uns nicht auch schon oft gefreut, wenn unsere eigene Kreativität einen Anstoss bekommen hat, die dann in eine Schaffenskraft mündete?
Wir standen dann später vor dem vollendeten Ende dieses Schaffens und waren voll zufrieden mit unserem Tun, oft auch ein bisschen stolz auf das Geschaffene. Ist es nicht so, dass man sich auch ein wenig bestätigt vorkommen darf, wenn etwas gelingt, auch wenn der Anstoss dazu von aussen kommt? Denn alles, was wir mit unseren eigenen Händen schaffen, hat für uns selbst doch einen ganz besonderen Wert.
Allerdings wird dies meines Erachtens dann sehr bedenklich, wenn dieses Schaffen - ob nun von aussen angefacht oder aus der eigenen Unrast heraus - zu einer zwanghaften Haltung wird, die von Ruhelosigkeit und Unrast gespeist, sich durch alle Bereiche des Lebens bemerkbar macht. Solch eine unstete Hektik kann ganz schnell die Form einer Dependenz annehmen.
Mir fällt das schon des Öfteren in den Blogs auf. Da findet man bei manchen Bloggern eine Betriebsamkeit, die fast unerklärlich ist.
Für so manchen Menschen scheint der Ausspruch
»Stillstand ist Rückschritt« die Lebensmaxime zu sein. Immer auf der Suche nach dem Neuesten, immer in Sorge, etwas zu verpassen und unablässig angetrieben von dem Gedanken, aus dem eigenen Leben das Allermöglichste heraus zu holen.
Alles »Vorher« scheint nur noch verbesserungswürdig zu sein, jedes »Nachher« wird zu einer unabdingbaren Anstrengung, in welchem Lebensbereich es auch immer sein mag. Dann aber, sobald das gesteckte Ziel erreicht ist, offenbart sich alsbald die nächste Bedingung, die erfüllt werden muss. Der ganze Ablauf wird somit zu einem Zwang, den es stets von Neuem zu erfüllen gilt.
Unter diesem Aspekt stellt sich mir dann doch die Frage nach der Ruhe und der Musse, um das Geleistete bzw. das Geschaffene auch geniessen zu können. Wo bleibt dann die Zeit, dass dem Erfolg einer Tätigkeit die Anerkennung zuteil wird, die es verdient hat? Wo die Gelassenheit, sein Leben nach den eigenen Wünschen zu gestalten, auch wenn diese Vorstellungen nicht der landläufigen Meinung oder Mode entsprechen?
Es gibt so manches Mal bei mir den Wunsch, dem Einen oder Anderen mehr Mut zu wünschen, um an das zu glauben, was er tut. Aber auch daran, dass es manches Mal mehr als genug ist, was er geschaffen hat; dass nicht immer wieder zum gleichen Thema etwas Neues hinzugefügt werden muss, weil es dann nämlich keine neue Nachricht mehr ist, sondern nur noch eine bedeutungslose Aussage.
Dieses Phänomen stelle ich mehr und mehr in den sozialen Netzwerken fest, wie z.B. bei »Twitter«. Viele der Schreiber machen sich nicht mehr frei von all den Faktoren, nach denen wir alle zu gern unsere Umwelt einstufen und oft auch nach Gesichtspunkten kritisieren und zensieren, weil sie nicht den unsrigen entsprechen. Es geschieht immer weniger, dass jemand als selbständige wertvolle Persönlichkeit wahrgenommen wird; vielmehr und immer öfter nur als Objekt, an dem man den eigenen Frust loswerden kann.
Stillstand muss doch kein Rückschritt sein! Wenn der Geist, der den Schreiber beseelt, wach und frei bleibt und sich nicht dem unterordnet, das man den Zeitgeschmack nennt. Dann kann man auch innovativ sein, zielstrebig dem Thema nachgehen, ohne sich ständig wiederholen zu müssen. Innovation heisst doch auch »Erneuerung« und kann durchaus bedeuten, dass man eigene Wege gehen kann, ohne auf den Zeitgeschmack oder dem modebewussten Trend folgen zu müssen. Das ist schwer, sicherlich, aber durchaus machbar.
Bewusste Schreib- und auch Veröffentlichungspausen einhalten und nicht nur immer nur schreiben, um ja nicht vergessen zu werden, das wäre das Nonplusultra der Blogger! Keiner muss sich durch fremdbestimmte Massstäbe gängeln lassen. Dabei sein um des Dabeiseins willen? Wenn das die neue Wertschätzung ist, bleibe ich gern aussen vor!

Goethe schrieb vor 200 Jahren an Eckermann:
»Man findet häufige Proben in der Literatur, wo der Hass das Genie ersetzt und wo geringe Talente bedeutend erscheinen, indem sie als Organ einer Partei auftreten!«



©by Wildgooseman 

4. September 2017

Reparationsforderungen ?


Da lese ich gerade in den News: Polnische Regierung prüft die Möglichkeit, erneut Reparationsansprüche an Deutschland zu stellen.
Gewiss, solche Forderungen werden gebetsmühlenartig immer wieder an die Bundesrepublik gestellt.
In regelmäßigen Abständen kennt man dies aus Griechenland, aber auch aus anderen Ländern, eben auch aus Polen. Alle paar Jahre werden immer wieder solche Stimmen laut.
Einige dieser außenpolitischen Forderungen werden ausschließlich aus Gründen der Innenpolitik erhoben.
Die rechtsgerichtete Regierung Polens versucht damit innenpolitisch zu punkten. Auch deshalb, weil die von früheren Regierungen abgegebenen Erklärungen rundweg abgestritten werden. Diese seien damals lediglich ein Marionettenstaat der Sowjet-Union gewesen, deshalb seien diese Verträge nicht gültig.
Das mag ja auch richtig sein, aber Verträge zwischen Staaten sind eben Verträge! Pacta sunt servanda, das ist eine Devise, die seit Urzeiten von den Völkern einzuhalten waren.

Da könnte man sich nun ja wundern, dass 72 Jahre nach Kriegsende noch Forderungen nach Reparationen für Verwüstungen, die das Nazi-Regime im Zweiten Weltkrieg angerichtet hat, der Bundesrepublik vorgetragen werden. Wundern ja - aber im Grunde auch nicht, weil eben die beanspruchenden Regierungen sich damit ihre Macht im eigenen Staate sichern wollen.
Der Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990, den die Bundesrepublik und die damals noch bestehende DDR mit den Siegermächten des Krieges schlossen, enthält die Anerkennung der polnischen Westgrenze!
Damit wurden die Übertragung von gut einem Viertel vormals deutschen Reichsgebiets auf Polen sanktioniert. Ebenso die Vertreibung von ca.14 Millionen Deutschen - und das ohne jede Entschädigung!
Der Vertrag von 1990 wurde anschließend von den Teilnehmerstaaten der KSZE – dieser heute beinahe vergessenen europäischen Friedenskonferenz – ohne jeden Einspruch akzeptiert!
Sind das nicht Reparationen genug? Davor liegen über 800 Jahre deutscher Besiedlung dieser Gebiete jenseits von Oder und Neisse. Auch wenn man uns heute weismachen will, dass diese Gebiete stets slawisch gewesen wären, sie waren deutsches Land.
Gewiss, Deutschland hat diesen unseligen 2.Weltkrieg begonnen. (Übrigens unter anderem auch durch Reparationszahlungen nach dem Weltkrieg I. hervorgerufen!)
Dieses heutige Deutschland hat sich auch zu dieser seiner Schuld bekannt! (Wann hat das jemals ein Staat getan?) Jetzt noch Forderungen zu stellen, ist blanker Hohn.
Mit gleichem Recht könnten unser Staat noch »Reparationsleistungen« an das
Römische Kaiserreich stellen. Oder an das napoleonische Frankreich?
Und immer wieder an die schrecklichen Greueltaten in den Ghettos von Warschau usw. zu erinnern, ist ebenfalls kein Grund für solche Forderungen. Zumal Zehntausende von polnischen Staatsangehörigen seinerzeit als sogenannte HiWis (
Hilfswillige) an den Verbrechen genau so beteiligt waren wie die deutschen Verbrecher!
Deutschland, das demokratische Deutschland hat für alle Schandtaten bezahlt, die damals in seinem Namen begangen wurden.
Irgendwann aber muss auch in einer Staatengemeinschaft wie der Europäischen Union die Einsicht einkehren, dass man Schuld nicht auf ewig den Nachfolgern anlasten kann.

 ©2017 by Wildgooseman 

























1. September 2017

Ein Spätsommertag


Ein wunderschöner Septembertag. Weit offenstehendes Fenster, ein leichter frischer Windhauch weht vom Garten hinein ins Zimmer. Ein schwarzer Amselmann hüpft springlebendig durch das taunasse Gras, begierig, ein vorwitziges Würmchen zu erwischen. Die Sonne hat ihren Tageslauf begonnen, ihre wärmenden Strahlen erfüllen den Garten mit einem hellen Licht.Sie verleitet mich direkt dazu, mein Frühstück draussen im Garten einzunehmen.
Dort an der Westseite der Terrasse steht der große Schmetterlingsfliederbaum mit unzählichen lavendelfarbenen Blütendolden. Er ist umschwärmt von Dutzenden von Schmetterlingen. Da ist der Zitronenfalter und das Tagpfauenauge, der Admiral und der kleine Fuchs, einige Weißlinge und Bläulinge runden diesen Reigen der gaukelnden Schar ab.
Damit noch nicht genug, dicke Erdhummeln und kleinere Wiesenhummeln konkurrieren da noch mit wilden Bienen und einigen Schwebfliegen - kurzum, es ist ein buntes Treiben, das am frühen Morgen den Garten beherrscht.
Irgendwie aber stelle ich doch einen Wandel fest.Das frische, helle Grün der Sträucher im frühen Sommer ist einem satten, beinahe schon bräunlichen Ton gewichen. Und auch das Blau des Himmels leuchtet nicht mehr ganz in seinen tiefblauen Tönen, ja, das Licht im Allgemeinen hat eine Veränderung erfahren, es ist nicht mehr so gleissend und hart, sondern hat viel mildere, sanftere Strahlen hervorgebracht, finde ich.
Der frühe Morgen zeigt sich auch bereits viel kühler als noch vor einigen Wochen. Auch die ersten braunen und gelben Blätter zeigen sich schon an den Bäumen.
Alles ändert sich eben im Laufe der Zeit, die Natur bereitet sich anscheinend schon auf ihre Wendezeit vor, der Herbst klopft schon leise an die Tür! Und alles, was da heute noch so fröhlich kreucht und fleucht, wird dann den Weg alles Irdischen gegangen sein oder nach dem folgenden Winter wieder zu neuer Blüte und Pracht erwachen. Das ist nun mal der Kreislauf des Lebens, dem auch wir Menschen unterworfen sind, wenn auch in einem anderen Rythmus.
Weil ich das alles weiss, kann ich auch in intensiveren Abläufen leben. Ob es immer wie geplant von statten geht, mag dahingestellt sein. Ich versuche es jedenfalls, so oft es möglich ist.

Wenn der Garten mir alles vorlebt, alles zeigt, was mir wichtig ist, kann ich das kleine Glück des Tages genießen.
Was brauche ich denn noch weiter als dieses Stück der Zufriedenheit, das ich am Morgen eines Tages empfinde, wenn ich Blumen, Schmetterlinge und Vögel bei ihrem Tun beobachten darf?

Der Kreislauf der Natur ist auch der Kreislauf von Wachsen, Gedeihen und Vergehen, auch meines eigenen Lebens! Wenn ich das erkannt habe, habe ich auch den Sinn des Morgens erfasst; wenn ich beim Fühlen all jener kleinen Glücksmomente innehalte und zu mir selbst finde, weiss ich, dass die gesamte Fülle dieser Ansichten und Einsichten den Sinn meines Lebens ergibt.

©by Wildgooseman

14. August 2017

Der Kleine mit dem Bogen



Ich traf heute den Kleinen
im Park auf einer Bank.
Ganz leis hört ich ihn weinen,
Ich fragte, ob er krank?
Ein Flügel war gebrochen,
es schmerzte ihn wohl sehr.
Es war der Schulterknochen,
und vielleicht noch mehr.
Er sah mich an so schmerzlich
und reicht mir seine Hand,
ich bedauerte ihn herzlich,
als ich ihn dann verband.
Ich reicht ihm seinen Bogen,
der Köcher war schon leer.
Sicher wär er gern geflogen,
doch das ging nun nicht mehr.
Ich nahm ihn mit nach Hause,
dort wartete mein Schatz.
Er brauchte eine Pause,
wir hatten ja noch Platz!
Heute nach dem Frühstück
setzt er mit Dank die Reise fort,
wünschte uns noch Glück,
ist nun an einem anderen Ort.
Drum liebe Leute, wenn ihr
in meinem Park spazieren geht,
achtet auf die Bänke hier,
ob Amor nicht daneben steht!
©by Wildgooseman

9. August 2017

Hofleben damals



Neblige Perlen auf taunassem Gras.
Eine dicke, schwarzbunte Kuh frass
wahrscheinlich viel zu viel Klee.
Jetzt tut ihr grausam der Pansen weh.

Die weissen Gänse am Weiher dort
sie möchten liebend gerne fort;
dahin, wo in den Wolken droben
ihre Verwandten die Freiheit loben.   

Eine Hühnerschar da auf der Wiese,
vierundzwanzig sind es nach Adam Riese,
legt die Eier noch nach alter Weise -
aber ganz bestimmt nicht leise.

Der bunte Hahn auf dem großen Misthaufen
möchte mit dem Konkurrenten gern raufen.
Doch leider kräht der zu weit in der Ferne,
das ist zu viel Stress, drum bleibt er gerne.

Ein paar Schweinchen vergnügen sich in der Suhle.
(Das ist eine schlammige, nasse Kuhle.)
Die Sau passt gut auf, denn das ist ihre Pflicht,
doch mitzusuhlen, nee, das mag sie nicht.

Auf der Weide zwei Schimmel traben geschwind,
sehr elegant, wie zwei Federn im Wind.
Sie freuen sich des Lebens, weil sie gerne laufen -
doch morgen will sie der Bauer verkaufen.

Der Kater auf der Tenne schleicht durch das Stroh,
da war doch ein Mäuschen? Er weiss nur nicht, wo!
Die Maus sitzt im Nest, hat sich schnell versteckt
und hofft, dass der Kater sie nicht entdeckt.

Nero, der Hofhund liegt konzentriert vor der Hütte,
überwacht den ganzen Hof, das ist ja so Sitte!
Er würde auch lieber durch die Felder jagen,
doch er traut sich nicht, den Bauern zu fragen.

Ja, so war es früher, auf dem Bauernhof das Leben.
In dieser Form wird es das nie wieder geben!
Heute berechnet der Computer den Ertrag auf dem Feld,
und was dann dabei rauskommt, ist bares Geld.

©by wildgooseman

3. August 2017

Ein schöner Tag

Ein schöner Sommertag. Ist es hier im Park nicht herrlich? Die Sonne lacht, es ist nicht zu warm, nicht zu kalt. Toll! Man bekommt so richtig Lust, der Natur zu folgen und die verschwiegenen Pfade des Parks entlang zu wandern. Dort die alte Bank lädt mich zu einer Rast ein. 

Da, wenn du das hören könntest, eine Amsel singt ihre wunderbare Melodie, auch wenn es vielleicht immer gleich klingt, es erscheint trotz allem jedes Mal anders. Und dort in dem uralten Baum das Eichhörnchen. Das Tierchen im rot-bunten Fell huscht zwischen den Zweigen der hohen Buche herum. Immer auf der Seite, die mir abgewandt ist. Wer gibt ihr das wohl ein?
Dann auf dem Rasen die schwarze Dohle, ihr grauer Schopf leuchtet hell vor ihrem schwarzen Federkleid! Nun schaut sie zu mir herüber, was mag sie denken? Denkt sie überhaupt? Jetzt wirft sie mit dem Schnabel einen Stein auf den Gehweg. So etwas sah ich noch nie. 

Konrad Lorenz würde sagen, das ist eine Übersprunghandlung! 
Schade, dass ich mich mit dem Vogel nicht unterhalten kann. Das müsste spannend sein. Ich würde mich gern mit ihm über die Menschen unterhalten. Ob die Dohle negativ über mich denkt? 
Warum interessiert mich das eigentlich, was ein schwarzer Vogel über mich denken würde? 
Hah - ich glaube ich spinne. Ja, aber trotzdem, was denkt er wohl über mich? Ob er weiß, dass ich ihn mag? Nein, sicher nicht, woher wohl. 


Es sind kaum zehn Schritte, die mich von ihm trennen. Jetzt bloß keine hastigen Bewegungen machen, ich möchte gern, dass er näherkommt.
Tatsächlich, der Schwarze ist nur noch ein paar Meter von mir entfernt. Er schreitet - ganz recht - er schreitet auf der Rasenkante des Weges entlang auf mich zu. Die hellen Äuglein beobachten mich aufmerksam.
Da liegt ein kleiner Zweig auf dem Weg. Der Vogel hüpft von der Steinkante herunter, geht um den Zweig herum, fasst ihn mit dem Schnabel am dünnen Ende und zieht ihn vom Weg herunter auf den Rasen!
Parkreinigung auf Vogelweltart, man glaubt es nicht, wenn man es nicht gesehen hat. 


Das Vogel auf dem Rasen sucht irgendetwas zwischen den Grashalmen, wirft dabei den Kopf in die Höhe, zupft dann etliche längere Grashalme aus dem Rasen.
Plötzlich kribbelt es in meiner Nase. Ein starker Niesreiz quält mich, ich versuche ihn zu unterdrücken, vergeblich! Ohne Vorwarnung für die Dohle entlädt sich eine gewaltige Eruption. Erschrocken und mit voller Lautstärke schimpfend flattert der Vogel davon. Zwischen den Bäumen heraus höre ich ihn noch weiter motzen. Ich kann ihn gut verstehen. Jetzt ist sein Urteil über mich wohl nicht mehr so positiv, wie ich vorher annahm. Na gut. War halt höhere Gewalt.


Plötzlich ist auch das Eichhörnchen wieder da, emsig und nur in ganz kurzen Abständen einhaltend, jagt es über den Rasen zum nächsten Baum. Warum lässt man es nicht für Deutschland bei den Olympischen Spielen starten? Da wäre man bestimmt sicher, dass es nicht unter Dopingverdacht gerät ...
Bevor ich nun  noch ganz anfange, zu spinnen, werde ich noch ein paar Kilometer wandern. 
Auf Wiedersehn, ihr fröhlichen Parkbewohner!
©by Wildgooseman 

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